Kindliche Füße unter einer Decke als Symbol für unruhige Beine und Schlafprobleme bei Kindern

Es ist nicht immer ADHS. Das Restless Legs Syndrom

Restless-Legs-Syndrom bei Kindern: Wenn die Beine nachts nicht zur Ruhe kommen

Viele Eltern kennen diese Situation:
Es ist eigentlich Schlafenszeit. Das Kind liegt im Bett, doch statt ruhig einzuschlafen beginnt es ständig mit den Beinen zu zappeln. Es dreht sich hin und her, tritt die Decke weg oder steht immer wieder auf.

Manche Kinder sagen dann auch Dinge wie:

  • „Meine Beine fühlen sich komisch an.“

  • „Ich muss sie bewegen.“

  • „Es kribbelt.“

Für Eltern wirkt dieses Verhalten oft wie innere Unruhe oder Hyperaktivität. Deshalb denken viele zuerst an ADHS.

Meist denken wir Eltern in solchen Situationen zuerst an Übermüdung, Wachstumsschmerzen oder einfach an ein Kind, das abends schlecht zur Ruhe kommt. Wenn dann auch tagsüber noch Unruhe und Konzentrationsprobleme dazukommen, wird nicht selten ADHS in Betracht gezogen. Doch manchmal steckt etwas anderes dahinter: das Restless-Legs-Syndrom.

Dieses Syndrom, kurz RLS genannt, kommt auch bei Kindern vor. Viele Familien haben noch nie davon gehört, obwohl es eine wichtige Ursache für nächtliche Unruhe sein kann. Und selbst Ärzte vergessen oft darüber nachzudenken.

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, bei der Betroffene einen starken Drang verspüren, ihre Beine zu bewegen. Dieser Bewegungsdrang wird meist von unangenehmen Empfindungen begleitet.

Kinder beschreiben diese Gefühle zum Beispiel so:

  • „Es kribbelt in meinen Beinen.“

  • „Es fühlt sich an, als würden Ameisen darin laufen.“

  • „Meine Beine fühlen sich komisch an.“

  • „Ich muss sie bewegen, sonst wird es schlimmer.“

Typisch ist, dass die Beschwerden besonders auftreten, wenn der Körper zur Ruhe kommt, also beim Sitzen, Liegen oder wie oben beschrieben beim Einschlafen. Bewegung bringt häufig kurzfristige Erleichterung.

Kann das Restless-Legs-Syndrom schon bei Kindern auftreten?

Viele Menschen denken, dass Restless Legs nur Erwachsene betrifft. Tatsächlich kann die Erkrankung aber schon in der Kindheit beginnen.

Studien zeigen, dass etwa 40 % der Betroffenen ihre ersten Symptome bereits vor dem 20. Lebensjahr erleben, und bei rund 12 % beginnen die Beschwerden sogar vor dem 10. Geburtstag.

Die Häufigkeit bei Kindern wird auf etwa 2 bis 4 Prozent geschätzt, wobei Fachleute davon ausgehen, dass viele Fälle gar nicht erkannt werden.

Ein wichtiger Hinweis ist die familiäre Häufung. In vielen Familien tritt Restless Legs über mehrere Generationen hinweg auf, was auf eine genetische Veranlagung hinweist.

Warum wird das Syndrom bei Kindern oft übersehen?

Bei Erwachsenen ist das Restless-Legs-Syndrom relativ bekannt. Bei Kindern dagegen wird es häufig nicht erkannt.

Ein Grund ist, dass Kinder ihre Empfindungen noch nicht so genau beschreiben können. Sie sprechen oft von „Beinschmerzen“, obwohl es sich eigentlich um ein unangenehmes Kribbeln oder Ziehen handelt.

Ein weiterer Grund ist, dass die Symptome leicht mit anderen Problemen verwechselt werden.

Typische Fehldiagnosen sind zum Beispiel:

  • Wachstumsschmerzen

  • Hyperaktivität

  • Schlafstörungen

  • Aufmerksamkeitsprobleme

Auch eine Verwechslung mit ADHS kommt vor, weil Kinder mit RLS durch den schlechten Schlaf tagsüber unruhig oder unkonzentriert wirken können.

Typische Anzeichen im Alltag

Viele Eltern bemerken zunächst nicht die Beschwerden selbst, sondern die Auswirkungen.

Schwierigkeiten beim Einschlafen

Kinder mit Restless Legs brauchen oft sehr lange, bis sie einschlafen. Sie drehen sich ständig im Bett oder stehen immer wieder auf.

Ständige Bewegung der Beine

Häufig beobachten Eltern:

  • Zappeln im Bett

  • ständiges Positionswechseln

  • Reiben oder Strecken der Beine

  • Herumlaufen vor dem Schlafengehen

Viele Kinder versuchen instinktiv, durch Bewegung die unangenehmen Gefühle zu lindern.

Unruhiger Schlaf

Selbst nach dem Einschlafen bleibt der Schlaf oft unruhig. Manche Kinder bewegen ihre Beine häufig im Schlaf.

Müdigkeit und Konzentrationsprobleme

Schlechter Schlaf kann dazu führen, dass Kinder am Tag:

  • schneller gereizt sind

  • sich schlechter konzentrieren können

  • in der Schule Probleme bekommen

Mögliche Ursachen

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Einige Faktoren spielen jedoch eine wichtige Rolle.

Genetische Veranlagung

Viele Kinder mit Restless Legs haben Familienmitglieder mit derselben Erkrankung. Daher geht man von einer starken genetischen Komponente aus.

Eisenmangel

Ein niedriger Eisenspeicher ist ein häufiger Auslöser für RLS-Symptome. Eisen spielt eine wichtige Rolle für bestimmte Prozesse im Gehirn, die die Bewegungssteuerung beeinflussen.

Andere medizinische Ursachen

In seltenen Fällen kann Restless Legs auch mit anderen Erkrankungen zusammenhängen, zum Beispiel mit Stoffwechselproblemen oder bestimmten neurologischen Störungen.

Wie wird Restless Legs bei Kindern diagnostiziert?

Die Diagnose basiert vor allem auf einer genauen Beschreibung der Symptome.

Ärztinnen und Ärzte achten besonders auf vier typische Kriterien:

  1. ein starker Drang, die Beine zu bewegen

  2. unangenehme Empfindungen in den Beinen

  3. Beschwerden treten vor allem in Ruhe auf

  4. Bewegung lindert die Symptome

Bei Kindern ist es wichtig, dass sie ihre Beschwerden möglichst in eigenen Worten beschreiben können. Auch die Beobachtungen der Eltern spielen eine große Rolle. 

Zusätzlich können weitere Untersuchungen erfolgen, zum Beispiel:

  • Bluttests (z. B. Eisenwerte)

  • Schlafuntersuchungen im Schlaflabor

Was kann betroffenen Kindern helfen?

Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind.

Bewegung und Physiotherapie

Bei vielen Kindern helfen regelmäßige Bewegung und physiotherapeutische Übungen, um die Symptome zu reduzieren.

Gute Schlafgewohnheiten

Auch eine stabile Schlafroutine kann unterstützen:

  • feste Schlafzeiten

  • ruhige Abendrituale

  • eine entspannte Schlafumgebung

Eisenwerte prüfen

Wenn ein Eisenmangel vorliegt, kann eine Behandlung mit Eisenpräparaten sinnvoll sein.

Medikamente

Medikamente werden bei Kindern nur selten eingesetzt und sollten nur von spezialisierten Ärzten verschrieben werden. In vielen Fällen genügt zunächst eine Beobachtung der Symptome.

Wann sollten Eltern ärztlichen Rat suchen?

Es ist sinnvoll, mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zu sprechen, wenn:

  • ein Kind regelmäßig über unangenehme Gefühle in den Beinen klagt

  • das Einschlafen häufig länger als 30 bis 60 Minuten dauert

  • das Kind abends ständig aufstehen muss

  • der Schlaf sehr unruhig ist

  • das Kind tagsüber stark müde oder unkonzentriert wirkt

Je früher das Problem erkannt wird, desto besser kann geholfen werden.

Fazit

Das Restless-Legs-Syndrom bei Kindern ist deutlich häufiger, als viele Menschen denken. Gleichzeitig bleibt es oft unerkannt, weil die Symptome leicht mit anderen Problemen verwechselt werden.

Typisch sind unangenehme Gefühle in den Beinen, ein starker Bewegungsdrang und Schwierigkeiten beim Einschlafen. Besonders abends, wenn der Körper zur Ruhe kommen soll, werden die Beschwerden stärker.

Die gute Nachricht: In vielen Fällen lässt sich etwas dagegen tun. Schon einfache Maßnahmen wie das Überprüfen der Eisenwerte, regelmäßige Bewegung und gute Schlafgewohnheiten können eine deutliche Verbesserung bringen.

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind betroffen sein könnte, lohnt es sich, genauer hinzusehen und ärztlichen Rat einzuholen.

Denn manchmal steckt hinter dem nächtlichen Zappeln einfach ein Körper, der noch ein wenig Unterstützung braucht, um zur Ruhe zu kommen.

Wenn Du noch mehr Informationen oder auch einen Fragebogen suchst, schau doch mal auf der Seite der Deutschen Restless Legs Vereinigung nach: https://www.restless-legs.org/restless-legs/syndrom/kinder/

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