Konzentration für Kinder

Volle Konzentration voraus! Tipps & Tricks wie Dein Kind sich besser fokussieren kann

von unserer Expertin Ines Baier; Krippenpädagogin, Sozialpädagogin und Erzieherin:

Nichts im Leben ist so schön und gleichzeitig so nervenaufreibend, wie ein Kind beim Erwachsenwerden zu begleiten. Ab dem Moment, an dem wir die Schwangerschaft entdecken bis zu unserem Lebensende begleitet uns Eltern ein Mix aus Freude, Stolz und Sorge.

Ich habe in meiner Arbeit als Erzieherin und Kita-Leitung über 25 Jahre Kinder und ihre Eltern bei diesem Prozess begleitet. Es waren die unterschiedlichsten Familien in den unterschiedlichsten Stadtteilen dabei. Von Arm bis Reich. In einer Kita trifft sich nun mal die ganze Gesellschaft.  Es ist ein gesellschaftlicher Durchschnitt in Klein.

Aber eins kann ich sagen: die Themen, welche die Eltern bewegen, unterscheiden sich nur wenig. Egal ob die Eltern wohlhabend sind oder nicht, egal ob sie junge Eltern sind oder eher im fortgeschrittenen Alter.  Jede Familie will das eigene Kind in eine sichere, gesunde Zukunft schicken. Alle Eltern, die ich kennenlernen durfte, wollten für ihr Kind das Beste.

Die Entwicklung eines Kindes ist ein komplexes Thema, das viele Gebiete umfasst. Angefangen von der Motorik, die das Erste ist, was Eltern Kopfzerbrechen macht. Über die Sprachentwicklung, die im Alter zwischen einem Jahr und achtzehn Monaten einsetzt. Bis hin zum Lesen, Schreiben und Rechnen. Jedes Thema stellt eigene Fragen. Und fast hätte ich es vergessen: die emotionale Entwicklung, die alle Bereiche einrahmt. Ohne stabiles emotionales Fundament, stockt die Entwicklung oder gerät auf Abwege. 

In diesem Artikel dreht sich alles um das Thema Konzentration. Ein Thema welches maßgeblich über den Entwicklungserfolg bestimmt.

Ohne Konzentration kein Lernen. Dies gilt nicht nur für das schulische Lernen von Buchstaben und Zahlen, sondern auch für das Erlernen von motorischen Fähigkeiten. Jeder der einem Baby beim Versuch zu krabbeln zugesehen hat, weiß, das Kind konzentriert sich vollumfänglich auf seine Aufgabe. Nichts anderes zählt in diesem Augenblick.

Kind lernt krabbeln

Überhaupt ist die Fähigkeit der kleinen Kinder, nur im Augenblick zu leben, eine bewundernswerte Eigenschaft. Die Natur hat sich allerdings etwas dabei gedacht.: Ohne dieses fokussierte, voll auf das Objekt oder Subjekt gerichtete Sein, würden Kinder viel langsamer lernen. So sind sie in der Lage ihre Umwelt vollkommen aufzunehmen. Wir Erwachsenen brauchen diese Fähigkeit leider nicht mehr in diesem Maße. Leider!

Um die Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit etwas besser zu verstehen, habe ich hier eine grobe Aufteilung der Entwicklungsphasen gewagt:

Säuglingsalter (0-2 Jahre):

In dieser Phase haben Säuglinge eine sehr begrenzte Konzentrationsfähigkeit. Sie können sich nur für kurze Zeit auf eine Sache konzentrieren und werden leicht von Reizen in ihrer Umgebung abgelenkt. Dennoch passiert in dieser Phase unglaublich viel! Das Kind entwickelt sich von einem liegenden Säugling zu einem Kleinkind, welches auf eigenen Füßen steht. Und es lernt schon seine erste Sprache.

 Frühes Kindesalter (3-5 Jahre):

In dieser Phase beginnen Kinder, ihre Konzentrationsfähigkeit allmählich zu entwickeln. Sie können längere Zeit auf einfache Aufgaben oder Spiele konzentriert bleiben, aber sie sind immer noch anfällig für Ablenkungen. In dieser Phase lernen Kinder bestenfalls, sich intensiv auf ihr Tun zu konzentrieren.

 Grundschulalter (6-11 Jahre):

Während des Grundschulalters verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit erheblich. Kinder können längere Zeit auf schulische Aufgaben wie Lesen, Schreiben und Rechnen fokussiert bleiben. Sie lernen auch, ihre Aufmerksamkeit gezielter einzusetzen.

 Jugendalter (12-18 Jahre):

In dieser Phase wird die Konzentrationsfähigkeit weiter ausgebaut. Jugendliche können komplexe Aufgaben bewältigen und sich auf ihre schulischen und außerschulischen Aktivitäten konzentrieren. Sie entwickeln auch die Fähigkeit zur Selbstregulierung ihrer Aufmerksamkeit.

Kinder sind individuell

Allerdings müssen Eltern und Pädagogen bedenken, dass jedes Kind ein Individuum ist. Es ist ein einzigartiges kleines Wesen. Wie lange welche Phase dauert, ist daher nicht in Stein gemeißelt. Der Spruch: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, stimmt in diesem Fall. Dennoch gibt es Dinge, die wir tun können, um bei unserem Kind die Entwicklung zu fördern.

  • Strukturierte Routine etablieren: Schaffe eine feste tägliche Routine, die regelmäßige Zeiten für Hausaufgaben, Spiel und Entspannung vorsieht. Diese Struktur kann Kindern helfen, sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Dies klingt leichter als es ist. Wir Erwachsenen leben in unseren Strukturen, die durch unseren Beruf und den, auf Erwachsene angepassten, Alltag geprägt sind. Mit einem Kind an der Seite geraten diese Strukturen erst mal komplett durcheinander. Es ist ein Spagat zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den Anforderungen des Alltages. Trotzdem bleibt dieser Punkt einer der Wichtigsten. Kinder, die einen strukturierten Alltag haben, mit gleichbleibenden Rhythmen, wie Schlafens – und Ruhephasen, gewinnen Sicherheiten. Gewohnheiten schaffen Raum fürs Lernen.
  • Gesunde Ernährung. Um Kindern eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen ist die ausreichende Versorgung des Kindes mit allen essenziellen Nährstoffen wichtig. Kinder haben einen anderen Nährstoffverbrauch als wir Großen. Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift und muss noch vieles lernen. Vor allem in den Wintermonaten haben Kinder gefühlt einen Infekt nach dem anderen. Und wir gleich mit! Die Erkältung läuft innerhalb der Familie im Kreis. Kaum geht das Kind wieder in die Kita oder in die Schule fängt es von Neuem an. Hier hat es sich bewährt ein Auge auf die Vitaminversorgung zu behalten.
  • Für Schulkinder gilt: eine geeignete Lernumgebung schaffen. Ein ruhiger und gut organisierter Lernplatz zu Hause fördert die Konzentration. Ablenkungen wie laute Geräusche oder das Handy sollten während der Hausaufgabenzeit auf ein Minimum reduziert werden. Auch hier widerholt sich der obere Punkt. Feste Hausaufgabenzeiten haben sich in den meisten Familien bewährt. Kurze Pausen während des Lernens ermöglichen es Kindern, sich zu erholen und ihre Konzentration aufrechtzuerhalten. Die Pomodoro-Technik ist eine beliebte Methode, bei der 25-minütige Arbeitsphasen mit 5-minütigen Pausen abwechseln.
  • Für kleiner Kinder ist es wichtig interessante Lernmaterialien zu verwenden. Schon Babys mögen Spielsachen, die vielfältig nutzbar sind. Wenn man ein Baby beobachtet, stellt man fest, dass Spielsachen, die Geräusche machen ein Baby länger fesseln.
  • Körperliche Aktivität ist für die Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit ausschlaggebend. Ein Kind welches ausreichend Zeit im Freien verbringt und sich ausreichend „auspowert“, kann sich nachweislich besser konzentrieren. Außerdem schont die Bewegung an der freien Luft die Nerven der Eltern…
  • Motivation fördern. Die Lernaufgaben mit den Interessen und Zielen des Kindes zu verbinden, um die Motivation zu steigern, ist sehr wichtig. Kinder, und auch wir, lernen alle schneller, wenn uns ein Thema fesselt. Dies setzt allerdings voraus, dass ich als Mutter oder Vater Anteil an der Welt meines Kindes nehme. Was interessiert es gerade? Wer sind die Freunde meines Kindes? Welche Spiele spielen die Kinder zusammen? Die intrinsische (intrinsisch = von innen heraus) Motivation zu fördern ist immer sinnvoll. Beim Lernen von selbstgewählten Inhalten, an denen das Herz des Kindes hängt, wird das Belohnungssystem im Hirn aktiviert. Somit lernt das Kind, dass Konzentration etwas Positives ist.

Einen Punkt hätte ich noch. Den wichtigsten. Ohne den sich kein Kind gut entwickeln wird: die Liebe und die Zuwendung der Bezugspersonen. Für jedes Kind auf dieser Welt gibt es nichts Schöneres als zu spüren, dass die Eltern es lieben und auch so annehmen, wie es von Natur aus ist. Wenn diese Basis gegeben ist, kann ein Kind alles im Leben erreichen.

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